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Wo ist die Achse? Führung von Prof. Oppermann am 11.6.2011, 15:00 Uhr
Geschrieben von: Stefan Zitzmann   
Dienstag, den 07. Juni 2011 um 12:09 Uhr

Führung am 11.6.2011 ab Russische Kapelle um 15 Uhr

"Oben an höchsten Steif ... das Haus der Arbeit ...-   im abfallenden Gelände .. die Häuschen um ein Forum gruppiert..." Mit diesen Worten beschreibt Josef Maria Olbrich im Jahre 1900 die städtebauliche und künstlerische Situation der Mathildenhöhe. Ganz bewußt unterscheidet der Architekt zwischen einem "oben gelegenen" Atelierhaus - als"Tempel der Arbeit" - und einem  tiefer gelegenen "friedlichen Ort" - als Forum der Wohnhäuser, zu den herabgestiegen wird, um den " Künstler mit dem Menschen einzutauschen".

"Eine Achse war nicht der primäre Gedanke in Olbrichs Konzeption", so Professor Frank Oppermann - Lehrer für Baugeschichte, Denkmalpflege und Architektur an der Hochschule Darmstadt, der die Führung für SOS- Mathildenhöhe am kommenden Pfingstsamstag (11.6.) um 15.00 Uhr halten wird. (Treffpunkt hinter der Russischen Kapelle). Oppermann wird einerseits auf die Architektur der Ausstellung von 1901 eingehen, andererseits aber auch von der Ausstellung von 1908 berichten, die einen ganz anderen architektonischen Anspruch verfolgte. War 19o1 die künstlerische Avantgarde das Thema, so wurden 1908 wirtschaftliche und soziale Aspekte in der Vordergrund gerückt. Mit einer Vielzahl von historischen Fotographien und alten Zeichnungen wird Oppermann von der Baugeschichte der Mathildenhöhe erzählen und dabei zusammen mit den Besuchern nach der Achse suchen, die als Begründung für einen Museumsneubau vor dem Ernst-Ludwig-Haus immmer wieder her halten muß. "Eine Achse im Jugendstil ist so etwas wie ein schwarzer Schimmel - also ein Widerspruch in sich", so Oppermann.

Denn auch nach dem zweiten Weltkrieg, als man für die Mathildenhöhe zeitgemäße Wiederaufbaukonzeptionen entwickelte, die die neue Gesellschaft und die neue Demokratie widerspiegeln sollten, verzichtete man auf eine Achse. Eine "Balance" zwischen Neu und Alt, ein Gleichgewicht zwischen vergangenem Jugendstil und neuer 5oer-Jahre-Gestaltung sollte erreicht werden - weder Rekonstruktion,  noch mächtige Gesten von Achsen und Symmetrien. Auf der Führung wird also auch aus kulturhistorischer Sicht erläutert werden, warum der Südhang vor den Ernst-Ludwig-Haus so zu erhalten ist, wie er sich jetzt darstellt. Alle Interessierten sind zu diesem Rundgang herzlich eingeladen. Besonders würde sich die Bürgerinitiative freuen, auch Stadtverordnete begrüßen zu können. Der Eintritt ist frei.
 

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