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Frage 1: Welche Dringlichkeit lag der vorzeitigen Protokollierung eines Vertrages (siehe Mag. Vorl. 2009/0298 + 2009/2009) mit den Eheleuten Sander zugrunde? Antwort: Der Protokollierung erfolgte nicht vorzeitig. Zwischen den drei zustandigen Dezernenten, Kulturdezernent OB Hoffmann, dem damaligen Denkmalschutzdezernent Stadtrat Feuchttnger und Baudezernent Stadtrat Wenzel sowie mit den Fraktionsvorsitzenden war das Verfahren vorher abgestimmt. Dies betrifft auch den im Tenor der Magistratsvorlage 2009/0298 formulierten Vorbehalt der endgultigen Beschlussfassung durch die Stadtverordnetenversammlung.
Dieses Verfahren wurde gewählt, weil es sich wie bei diesem Prolekt um ein Vorhaben von besonderer Bedeutung fur das Gemeinwohl der Stadt handelt, das im Stiftungszweck der Hans-Joachim und Gisa Sander-Stiftung festgelegt ist. Dazu haben Herr und Frau Sander eine schriftliche Erklarung abgegeben, die der Beschlussvorlage beigefugt war. Darin heißt es: „Als gebürtige Darmstädter liegt meiner Frau und mir unsere Heimatstadt besonders am Herzen. Die Stadt, die sie umgebende Landschaft, ihre Menschen undihre Kultur haben unsmaßgeblich geprägt und so möchten wir mit dem Bau eines Museums auf der Mathildenhöhe für Malerei Darmstädter Künstler des 1B., 19. und 20. Jahrhunderts, unseren Beitrag für das kulturelle Leben der Stadt leisten. Wir werden über die Hans-Joachim und Gise Sender Stiftung das Museum mit eigenen Mitteln errichten, ausstatten und unterhalten.... Wichtig ist unsin diesem Zusammenhang derintensive Austausch und Vernetzung mit den Kunst- und Kulturinstituten der Stadt und der Region. ... Meine Frau undich begreifen dieses Museum gleichermaßen als einen Ort der Bildung und Fortbildung. ... Dieser Auffassung folgendisti n unserem Stiftungszweck verankert, kulturelle Bildungsga?nge zu verwirklichen, die auch dem Zweck der Ausla?nderintegration dienen sollen. Die fru?he Förderung im Vorschul- und Grundschulalter, das spielerische Heranführen an Kunst und Aultur sowie die Vermittlung von Geschichte der Stadt undihrer tlmgebung, in der man lebt, soll das Gefu?hl der Zugehörigkeit stärken. Wir hoffen sehr, mit diesem Vorhaben einen wichtigen Beitrag für die Bürger der Stadt, der Region und darüber hinaus leisten zu können." Das Museum und die Sammlung sollen auf ausdrucklichen Wunsch der Stifter nach deren Tod in den Besitz der Stadt Darmstadt ubergehen. Die Dringlichkeit bestand also in der Ermoglichung und vor allem Absicherung dieser mazenatischen Zielsetzungen zum Wohle der Burgerinnen und Burger zu dem Zeitpunkt als die vertraglichen Verhandlungen und umfassenden rechtlichen Prufungen des Erbbaurechtsvertrags abgeschlossen waren Durch die Vergabe des Grundstuckes durch einen Erbbauvertrag uber 50 Jahre wurde sichergestellt, dass die Stadt Eigentumerin des Grundstuckes bleibt.
Frage 2: Im Faltblatt des Koordinators Mathildenhoehe vom 12.07.2009 steht: „Frau und Herr Sander wollen einen Vorschlag der Stadt Darmstadt nutzen und einen Teil ihrer Gemäldesammlung mit Darmstadt-Bezug im Rahmen einer Stiftung in einem Museumsneubau an Stelle des ehe- maligen Hauses Christiansen der Öffentlichkeit zugänglich machen." Welche Überlegungen von Seiten des Magistrats fu?hrten zu diesem Vorschlag, auf welcher Grundlage wurde dieser Vorschlag unterbreitet, welche Gremien haben daru?ber beraten, gab es zu diesem Vorschlag Alternativen, wieso wurde dieser Vorschlag vorab nicht kommuniziert? Antwort: Grundlage fu?r den Vorschlag war eine aus der Planungswerkstatt „Forum Mathildenhöhe" vom 30.11./ 1.12.2006 hervorgegangene Aufgabenstellung, die in der 2008 dazu fertiggestellten und veroffentlichten Dokumentation fur das Grundstuck des ehemaligen Hauses Chnstiansen auf Seite 38 formuliert ist: „Fu?r diesen Standort wi rd ein Neubau von höchster Puali ta? t vorgeschlagen, um die ra?umliche Fassung des Ernst-Ludwig-Hauses symmetrisch zur Aufgangstreppe wieder erlebbar zu machen. Es sollte keine Rekonstruktion sein, umim Sinne der geistigen Integrita?t des Ortes ... zu handeln. " Diese Planungswerkstatt fand unter Beteiligung der Anlieger der Mathildenhohe, interessierten Burgervertretern und Politikern aus allen Fraktionen statt. Das Ergebnis war allen bekannt und wurde mit der Veroffentlichung nochmals kommuniziert. Grundlegend fur diesen Vorschlag ist außerdem die von der Stadtverordnetenversammlung im Januar 2008 beauftragte Gesamtkonzeption Mathildenhohe. Der damit beauftragte Koordinator Mathildenhohe hat 2009 eine schriftliche „Rahmenkonzeption Mathildenhohe" erarbeitet und vorgelegt, die am 15.7.2009 vom Magistrat beschlossen und am 3. September 2009 von der Stadtverordnetenversammlung bestatigt wurde. Auf Seite 30 der Broschure wird ausfuhrlich zur luckenhaften stadtebaulichen Situation durch den Wegfall des ehemaligen Haus Christiansen Stellung bezogen und entsprechend des Olbrichschen „Gartenplan" von 1900 vorgeschlagen „als Pendant zum Haus Olbnch an der alten Stelle wieder ein Gebaude zu errichten, das die Idee Olbrichs mit der engen Beziehung von Kunstlerhausern und Ateliergebaude in der stadtebaulichen Komposition wieder erfahrbar macht. Die Inhalte der Rahmenkonzeption war bereits im Vorfeld der Entscheidung und vor allem in diesem besonderen Detail vielfach in Ausschussen und Vortragen kommuniziert worden.
Frage 3: Wurde mit den Eheleuten Sander daru?ber verhandelt, ob das finanzielle Engagement des Ehepaars auch fu?r andere kulturelle oder soziale Projekte in Darmstadt eingesetzt werden kann? Antwort: Bei dem Museumsproiekt der Eheleute Sander handelt es sich sowohl um ein kulturelles als auch soziales Projekt, das insbesondere die Integration junger Mitburgerinnen und Mitburger als Zielsetzung hat. Siehe dazu auch Antwort zu Frage 1.
Frage 4: Wieso soll der Bau genau an dieser Stelle platziert werden? Antwort: Siehe hierzu Antwort zu Frage 2.
Frage 5: Wurden alternative Standorte fu?r ein Museum in Darmstadt gepru?ft und ero?rtert? Antwort: Die Absicht, genau an diesem Standort eine sta?dtebauliche Lucke auf der Grundlage der Rahmenkonzeption zu beheben, schließt einen alternativen Standort aus.
Frage 6: Weshalb war die Fla?che vergeben, bevor die Pru?fung zur „Weltkulturerbe"-Fa?higkeit ab- geschlossen war? Antwort: Nach Auskunft des fur Welterbefragen zustandigen Hessischen Landesamtes fur Denkmalpf lege ist die Wiederherstellung der Integritat dieses Ortes ein wichtiges Knterium fur die Prufung der „Weltkulturerbe"-Fa?higkeit. Dies gilt insbesondere fur die Ernchtung eines Gebaudes an der Stelle des ehemaligen Hauses Chnstiansen. Mit dem Prasidenten des Landesamtes, Herrn Professor Weiß, war der Entwurf der Rahmenkonzeption und die Schließung der stadtebaulichen Lucke an dieser Stelle im April 2009 ausfu?hrlich besprochen und fur richtig befunden worden. Die Rahmenkonzeption wurde von ihm als geeignet angesehen fur eine Verwendung als Management-Plan fu?r das Verfahren zur Anerkennung als Weltkulturerbe.
Frage 7: Wer, außer dem Ehepaar Sander, hat die in Rede stehende Gema?ldesammlung gesehen? Antwort: Wichtigen Ausstellungshausern, Fachleuten und kunsthistonsch Interessierten ist der Bestand und die hohe Quaiitat der Sammlung Sander bekannt. Es werden regelmaßig Leihverfahren fu?r Werke aus dieser Sammlung fu?r Ausstellungen an offentlichen Kunstinstituten und Museen durchgefuhrt. Auch das Institut Mathildenhohe hat in der Vergangenheit davon Gebrauch gemacht. Eindrucklich war beispielsweise der umfangreiche und hochwertige Bestand an Werken von Eugen Bracht aus der Sammlung Sander 1992 in der Ausstellung dieses Landschaftsmalers im Ausstellungsgebaude Mathildenhohe zu bewundern. Zur Sammlung Sander gehoren unter anderem 60 Werke dieses bedeutenden Kunstlers des 19. Jahrhunderts. Die Sammlung ist u?ber Jahrzehnte vom Sammlerpaar mit hohem Sachverstand aufgebaut worden. Die Tatsache, dass Werke der zur Sammlung gehorenden Darmstadter Hofmaler und deren Umfeld uber die weltweit besten Auktionshauser gehandelt werden spricht fur sich und unterstreicht die kunstgeschichtliche Bedeutung dieser Epoche vor Gru?ndung der Kunstlerkolonie Mathildenhohe. Das Sammlerpaar Sander hat vor Beginn der Verhandlungen eine ausfuhrliche Besichtigung in seiner Gemaldesammlung Darmstadter Kunst des 18. bis 20. Jahrhunderts durchgefuhrt. Daran nahmen der Kulturdezernent, die Kulturbeauftragte, der stadtische Denkmalpf leger und der Leiter des Stadtplanungsamtes teil. Im Anschluss an die offentliche Bekanntgabe des Vorhabens war eine Besichtigung durch die anwesenden Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung moglich. Die Kulturbeauftragte hat im Auftrag des Kulturdezernenten dem Magistrat uber die Bedeutung der Sammlung, das vorgesehene Museumskonzept sowie den Umfang der dort vertretenen Kunstler und Werke mundlich berichtet.
Frage 8: Wer kann u?ber die Sammlung sachversta?ndig berichten und diese bewerten? Antwort: Siehe Antworten zu Frage 7 sowie nachstehende Erlauterungen: Der fur den Museumsbau vorgesehene Bestand wurde in Ganze wissenschaftlich aufgearbeitet durch die Kunsthistorikennnen Frau Dr. Barbara Bott, Koln, und Frau Dr. Heidrun Ludwig, Darmstadt. Beide Wissenschaftlerinnen sind ausgewiesene Expertinnen fur diese Epoche durch ihre langjahnge Arbeit am Hessischen Landesmuseum Darmstadt. Die Sammlung wird außerdem sachkundig betreut von einer Mitarbeiterin der Sammlung Sander. Ein wissenschaftlicher Katalog dieser Werke wurde inzwischen erarbeitet. Die Werke befinden sich zudem in einem hervorragenden konservatorischen Zustand. Das Sammlerpaar hat den Arbeiten eine einwandfreie restauratorische Behandlung zukommen lassen.
Frage 9: Wieso liegt dazu bis heute keine fu?r die Bu?rgerschaft nachvollziehbare Information vor? Antwort: In Rahmen der offentlichen Vorstellung des Vorhabens wurde die große Bedeutung, der Umfang und der einwandfreie Zustand dieses Sammlungsbestandes durch Herrn Sander selbst erlautert. Die Pressestelle und die lokalen und regionalen Medien haben ausfu?hrlich daruber berichtet. Da es sich um eine Privatsammlung handelt, ist der sensible Umgang mit den Werten dieser Sammlung eine Notwendigkeit.
Frage 10: Welche Pru?fungen fu?hrten dazu, alle Vorlagen als „nichto?ffentlich" zu kennzeichnen? Antwort: Grundsatziich wurden in der Vergangenheit derartige Grundstucksgeschafte auf der Tagesordnung im Haupt —und Finanzausschuss und in der Stadtverordnetenversammlung uberwiegend im nichtoffentlichen Teil behandelt. Deshalb wurde von der Verwaltung auch in diesem Fall eine entsprechende Vorlage erstellt. Als „Herr des Verfahrens" konnen die o. a. Gremien immer selbst durch Beschlussfassung derartige Vorlagen in den offentlichen Teil der jeweiligen Tagesordnung transferieren, um Offentlichkeit herzustellen.
Frage 11: Ist die Mo?glichkeit der Einrichtung eines Bu?rgerbeirates/Gestaltungsbeirates gepru?ft worden und weshalb wurde die Etablierung nicht in Betracht gezogen? Antwort: Bei dem geplanten Museumsbau handelt es sich um ein Gebaude, das von einem privaten Bauherrn, der Stiftung Sander, errichtet wird. Die Entscheidung uber das Verfahren zur baulichen Gestaltung des Museumsneubaus liegt allein in den Handen des Bauherrn. Der Bauherr beauftragte mit der Vorbereitung des architektonischen Realisierungswettbewerbs fur das Museum ein ausgewiesenes Fachburo mit großer Erfahrung und Kompetenz. Den offentlichen Belangen wurde dabei großer Raum eingeraumt und diese mit den Fachstellen der Stadt Darmstadt eng abgestimmt. Die in das Verfahren eingebundenen stadtischen Fachstellen, die Abteilung Denkmalpf lege, das Stadtplanungsamt und das Bauaufsichtsamt, haben selbstverstandlich die notwendige Sensiblitat walten lassen hinsichtlich der hohen kulturhistorischen Bedeutung des Standortes und der gestalterischen Vorgaben fur den Baukorper. Bei der Auswahl der Fach.Preisrichter fur den Realisierungswettbewerb wurde auf eine hochkaratige und internationale Besetzung geachtet, um eine hochst mogliche Quaiitat der Gestaltung an diesem besonderen Standort zu gewahrleisten. Alle Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung waren eingeladen, Vertreter fur das Preisgericht zu benennen und teilzunehmen. Als Sachverstandige beteiligten sich aus dem politischen Spektrum an der Preisgerichtssitzung am 24./25.6.2010 der Fraktionsvorsitzende der CDU, Herr Kotoucek, die Stv. und Vorsitzende des Ausschusses fur Kultur und Wissenschaft, Frau Wagner fur die FDP, die stellv. Fraktionsvorsitzende von Bundnis 90/Die Grunen, Frau Forster-Heldmann, sowie fur die Fraktion Alternative-DA, Frau Stv. Fritze. Mit großem Engagement hat sich auch der Denkmalbeirat mit dem Ergebnis des Reahsierungswettbewerbs beschaftigt und sein zustimmendes Votum in Anlehnung an die von der Jury vorgeschlagenen Korrekturen am Preistragerentwurf abgegeben. Mit der Bekanntgabe der Jury-Entscheidung wurde die offentliche Diskussion uber den Preistrager.Entwurf eroffnet. Im September 2010 werden mehrere Informationsveranstaltungen fur die Offentlichkeit durchgefuhrt. |
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