Protestschreiben von H.-C. Benze an die Freunde der Mathildenhöhe (FdM)
Geschrieben von: Ingo Hagel   
Mittwoch, den 22. Dezember 2010 um 20:16 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren,

Aus der letzten Sitzung der FdM am 08.09.2010 mit der Informationsveranstaltung zum Thema "Was Sie zum Museum Sander wissen sollten" haben Sie bereits imProtokoll angemerkt, dass unter den Mitgliedern der FdM keine einheitlicheAuffassung für oder gegen den Museumsneubau an der Stelle des im Krieg zerstörten Hauses Christiansen besteht.

So möchte ich hier - als Mitglied des FdM - ganz eindeutig Stellung beziehen:

Nach wie vor bin ich der Überzeugung, dass man den grünen Hang so belassen sollte, wie er sich jetzt darstellt. Es wäre eine Bausünde, ein wie auch immer geartetes modernes Gebäude dorthin zu pflanzen.
Über Darmstadt ist im 2. Weltkrieg ein großes Unglück gekommen, welches viele Menschenleben, aber auch wertvolle Bausubstanz gekostet hat. So war u.a. auch die Mathildenhöhe betroffen und insbesondere das Haus Christiansen in 1944.

Die Vision des Herrn Olbrich hatte gerade etwa 43 Jahre Bestand. (Es müssen hier nicht weitere Details nochmals erklärt werden, welche in dem o.g. Protokoll, sowie der Anlage zum Protokoll mit der Zusammenfassung des Einführungsreferates allen FdM zur Kenntnis gebracht wurden). 

Jetzt soll nach diesem großen Unglück ein weiteres Unglück die "Stadtkrone Darmstadt" krönen.

Falls die Bauausführung in 2011/ 2012 erfolgen sollte, sagen wir quasi 68 Jahre nach diesem großen Unglück, soll anstelle des Hauses Christiansen ein moderner Museumsbau verwirklicht werden, nur um die Vision des Herrn Olbrich wiederzubeleben.

Die Mathildenhöhe ist hier wie eine moderne archäologische Zone. Kein Mensch käme in Rom auf die Idee, das Forum Romanum, nur weil es einmal bebaut war, heute mit modernen, zeitgemäßen Bauwerken wieder zu ergänzen. Dieses soll jetzt aber auf derMathildenhöhe geschehen.

Darmstadt wirbt bereits mit großflächigen Schildern an der Autobahn mit dem Jugendstil. Mit diesem Pfund sollte Darmstadt wuchern, aber dann nicht das Jugendstil-Ensemble auf der Mathildenhöhe mittendrin ohne Not mit einem modernen Bau verhunzen, der mit dem Inhalt und dem Äußeren nichts mit dem Jugendstil zu tun hat.

Alle Besucher haben seit Jahrzehnten die Möglichkeit, den ungestörten, großartigen 360°- Rundum - Blick von dem Alexandraweg vor dem jetzigen "Ernst-Ludwig-Brunnen" von dem Bildhauer Karl Hartung zu genießen. Angefangen mit dem Blick auf den Schwanentempel, die Russische Kapelle, den Hochzeitsturm, den Treppenaufgangspavillion zu den Ausstellungshallen und einen Teil derAusstellungshallen, das "Ernst-Ludwig-Haus", das Haus Olbrich, das Haus Habich, die beiden Glückert Häuser bis hin zum Peter Behrens Haus sollte man diese Rundumsicht nicht durch einen hässlichen Bauhaus-Kasten stören.

Wohl gemerkt, auch ich bin nicht gegen ein Museum Sander! Aber bitte nicht an diesem Standort, der sogar noch die Gefahr in sich birgt bei nachlässiger Bauausführung Kollateralschäden am benachbarten "Ernst-Ludwig-Haus zu verursachen! Man erinnere sich bitte an den Einsturz des Kölner Stadtarchivs anlässlich des U-Bahnbaus.

Der aufwendige und kostenintensive Museumsbau am Südhang der Mathildenhöhe könnte sicherlich an anderer Stelle mit diesem Kapitaleinsatz wesentlich effektvoller ausgeführt werden, gleich auch noch mit den notwendigen Parkplätzen, die jetzt schon ein großes Problem im Bereich der Mathildenhöhe darstellen.

Mit freundlichen Grüßen 

Hans-Christian Benze

Briefpictogramm_2

 

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