| Protestschreiben von Dr. Jens Kirsch (Christiansen-Sammler) an OB Hoffmann |
| Geschrieben von: Ingo Hagel |
| Mittwoch, den 22. Dezember 2010 um 19:15 Uhr |
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Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, für Ihre Antwort vom 30.9.10 auf mein Schreiben danke ich Ihnen - auch im Namen meiner Frau. Bedauerlicherweise deuten Sie darin lediglich marginale Korrekturen Ihres Bebauungskonzeptes an. Meine Frau und ich hatten Anfang Oktober Gelegenheit, den Platz für den geplanten Museumsneubau mit Landschafts- und Architekturexperten zu inspizieren. Dabei sind wir in unserer kritischen Haltung gegenüber dem von Ihnen beförderten Vorhaben bestärkt worden: Der geplante rotbraune Betonklotz zerstört Charakter und Harmonie des weltberühmten Ensembles ,,Mathildenhöhe". Entweder man verzichtet auf dem ehemaligen Christiansen-Grundstück auf jede Neubebauung oder man errichtet dort ein dem Stil der Mathildenhöhe angemessenes Museum - eventuell im Charakter der früheren Christiansen-Villa. Dann könnte Darmstadt endlich seine vielen Jugendstil- Schätze angemessen präsentieren. Sicherlich wird sich in Darmstadt für das geplante Sander-Museum ein passenderes Grundstück finden lassen; so überbebaut scheint mir Darmstadt nicht zu sein. Darüber hinaus kann ich hinsichtlich moderner Kunstmuseen nur verweisen auf besucherfreundlichere, also transparentere Beispiele wie das Frieder-Burda-Museum in Baden-Baden oder die Pinakothek der Moderne in München. Oder will der geplante Museumsbau in Darmstadt interessierte Besucher lieber ausschließen oder gar abschrecken? Der künstlerische, weltweit einmalige Jugendstilcharakter der Mathildenhöhe soll jetzt auch inhaltlich verfälscht werden durch ein Ausstellungshaus für lokale Darmstädter Maler des 18. und 19. Jahrhunderts - sogenannte Romantiker. Dieser Stilbruch ist hier nicht nachvollziehbar. Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, ich selbst bin als Mannheimer Stadtrat seit nunmehr fast 20 Jahren mit kulturpolitischen Zwängen einer Kommune bestens vertraut. Gerade daher aber weiß ich, dass mangelhafte Konzeptionslosigkeit auf Dauer wenig hilft. Auch irritiert mich, dass ein für die Darmstädter Mathildenhöhe entscheidender Maler, der wegen seiner jüdischen Ehefrau massive NS-Schikane erleiden musste, jetzt unter sozialdemokratischer Stadtführung derartig desavouiert werden soll. Sollte Darmstadt das Konzept "Mathildenhöhe" nicht grundlegend überdenken!? Mit freundlichen Grüßen! Dr. Jens Kirsch
Kopie an das "Darmstädter Echo", Lokalredaktion und SOS-Mathildenhöhe Dr. Kirsch ist Hans-Christiansen-Sammler, wird aber aufgrund der Vorgänge um das geplante Museum Sander wohl seine Schenkung an die Stadt Darmstadt zurückziehen (Anmerkung SOS Mathildenhöhe) |