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Ein Museum Sander auf den Trümmern des Hauses Christiansen? Mißachtung der Geschichte des Hauses Christiansen Verletzung des Denkmalschutzes durch Abriß der Mauerreste eines Olbrichgebäudes
Am Südhang der Darmstädter Mathildenhöhe, unterhalb des Ernst-Ludwig-Hauses, wollen die Eheleute Sander ein Museum errichten. Ein durchgeführter Architekten-Wettbewerb brachte Lösungen, die sowohl bei Fachleuten als auch in der Bürgerschaft zu kontroversen Diskussionen führten. Besonders die Wahl des Bauplatzes ist höchst umstritten. Umstritten auch deswegen, weil sich dort noch die Mauerreste des Hauses Christiansen befinden. Zusätzlich müßte noch ein anderes unter Schutz stehendes Denkmal, der Brunnen von Hartung, abgerissen, bzw. versetzt werden.
Dieser Art der Bewältigung der Zeitgeschichte muß entgegengetreten werden. Die Bürgerinitiative erwartet und fordert von der Stadt Darmstadt, daß die Gebäudereste des Hauses Christiansen an Ort und Stelle erhalten werden. Sie sind ein Zeugnis der Geschichte der Mathildenhöhe und sollten uns auf Dauer an das Erbe der Künstler Olbrich und Christiansen erinnern.
Der Maler Hans Christiansen Der Großherzog von Hessen und bei Rhein, Ernst-Ludwig, holte den Jugendstil-Künstler Hans Christiansen als ersten von sieben ausgezeichneten Künstlern nach Darmstadt, um an der Gründung einer Künstler-Kolonie mitzuwirken. Die „Ersten Sieben" Künstler waren: HansChristiansen, Rudolf Bosselt, Paul Bürck, Patriz Huber, Joseph Maria Olbrich, Peter Behrens und Ludwig Habich. Hans Christiansen, geb. am 6. März 1866, hatte nach einem zweisemestrigen Studium an der Kunstgewerbeschule in München und einer Studienreise (Italien) in Hamburg als Maler gearbeitet, nebenbei hatte er einen Lehrauftrag als Fachschullehrer. Gleichzeitig engagierte er sich im Hamburger „Volkskunst-Verein", der sich zum Ziel gesetzt hatte, die Befreiung der Kunst aus den Fesseln des Historismus. 1893 sandte der Hamburger Senat Christiansen und sechs weitere Künstler zur Weltausstellung nach Chicago, dort konnten sie u.a. auch die Glaskunst der Firma Tiffany studieren. Im Hamburger Kunstverein berichtete Christiansen in einem Vortrag von dem großen Eindruck dieser Weltausstellung. Die historisierende Dekor- und Formgebung war nun überholt, die neue Kunstrichtung war die Hinwendung zu Naturmotiven der heimischen Flora und Fauna.
Danach reiste er mit Carl Griese, dem Direktor der Lithografischen Kunstanstalt nach New York und Philadelphia, wobei das spezielle Interesse dem amerikanischen Reklamewesen galt. Christiansen gab sein Hamburger Tätigkeit wegen des historisierenden Publikumsgeschmacks auf und verbrachte 1895 - 1899 weitere Studienjahre in Antwerpen und in der Kunstmetropole Paris an der Academie Julien, die er jedoch aus Protest gegen den akademischen Lehrbetrieb verließ. Er wollte frei studieren, „ohne die Korrektur eines Professors" und lieber „die ganzen Errungenschaften der französischen Kunst auf mich einwirken lassen", wie er 1898 schrieb. Während seines Paris-Aufenthaltes war Christiansen mit französischen Auftragsarbeiten beschäftigt, gleichzeitig suchte er Kontakt zu deutschen Firmen. Seit 1897 zeichnete er für die Zeitschrift „Jugend". Seine Veröffentlichungen machten ihn zu einem der gefragtesten Illustratoren dieser Wochenzeitschrift, und er hatte wesentlich Anteil an der Prägung des Begriffs „Jugendstil".
Hans Christiansen kommt nach Darmstadt Auf der Dresdner Kunstausstellung sah der Darmstädter Verleger Alexander Koch die Werke von Christiansen und bat ihn um seine Teilnahme an der „Darmstädter Kunst- und Kunstgewerbe-Ausstellung" 1898. Sein überwältigender Erfolg auf der Darmstädter Ausstellung veranlaßte den Großherzog Ernst Ludwig, persönlich nach Paris zu reisen, um Hans Christiansen in seinem Atelier aufzusuchen. Er bat ihn, Mitglied in der Darmstädter Künstlerkolonie zu werden. Die Berufung des jungen Künstlers nach Darmstadt bedeutete den Höhepunkt seiner künstlerischen Laufbahn. Noch in Paris heiratet Hans Christiansen Claire Guggenheim, die Tochter einer wohlhabenden, aus Mannheim stammenden jüdischen Kaufmannsfamilie. Am 1. Juli 1899 nahm Christiansen als „Erstberufener" gemeinsam mit Patriz Huber, Paul Bürck, Ludwig Habich und Rudolf Bosselt seine Arbeit in provisorisch eingerichteten Ateliers in Darmstadt auf. Es folgten Peter Behrens und Josef Maria Olbrich. Das erste gemeinsame Auftreten der „Sieben" erfolgte auf der Weltausstellung in Paris 1900 mit dem „Darmstädter Zimmer", wo sie äußerst erfolgreich in Erscheinung traten. Christiansen wurde für seine Arbeiten ausgezeichnet.
In der frei schaffenden Künstlergemeinde reifte die Idee zu einer gemeinsamen Künstler- Kolonie-Ausstellung. Die Hauptidee dieser Ausstellung bestand darin, komplett eingerichtete Wohnhäuser als in sich abgeschlossene Kunstwerke zu entwerfen und sie während der Ausstellung (Mai - Oktober 1901) mit dem Titel „Ein Dokument Deutscher Kunst" für das Publikum zu öffnen. Diese Häuser sollten dann im Anschluß an die Ausstellung von ihren Eigentümern bezogen werden. Joseph Maria Olbrich, in dessen Hand das Gesamtkonzept lag, schildert das Vorhaben mit den Worten: „Alle die Häuschen um ein Forum gruppiert mit eigenartig angelegten Wegen, Gärten, Beleuchtungs-Körpern, Brunnen und Blumenbeeten zur Einheit verbunden..."
Von allen Wohnhäusern lagen die von Olbrich und Christiansen am oberen Rand des Südhanges der Mathildenhöhe. In der Mitte, über den beiden Häusern und an der höchsten Stelle der Mathildenhöhe wurde das Ateliergebäude (Ernst-Ludwig-Haus) plaziert. Alle weiteren Häuser folgten dem Alexandraweg hangabwärts. Christiansen entwarf sein Wohnhaus „In Rosen" zusammen mit dem Architekten Joseph Maria Olbrich. Grundriß und Architektur wurden zwar nach Olbrichs Plan, jedoch basierend auf den Ideen von Christiansen ausgeführt. Die Küche entwarf Patriz Huber. Christiansen verwendete die Rose als Leitmotiv, die er durch alle Räume hindurch komponierte. Mit ihr erreichte er die angestrebte Wirkung, die Trennung von Innen- und Außenraum illusionistisch aufzuheben.
Benno Rüttenauer, ein Zeitgenosse von Christansen beschrieb die Wirkung der Villa von Christiansen in ihrer exponierten Lage so: „Es wirkt selber wie ein Rosenstrauß, wie eine ungeheure Blütengarbe". Das Haus befinde sich nicht umsonst am oberen Rand der Höhe. Die übrigen Gebäude stünden harmonisch um die beiden oberen Gebäude nahe dem Ernst- Ludwig-Haus, dem Atelier. Etwas Frohlockendes liege in der Gesamtkonzeption, mit einer fast „kindlich-naiven" Ausstrahlung.
Hans Christiansen und seine Familie führten im Haus „In Rosen" ein gesellschaftlich anspruchsvolles und glanzvolles Leben. Seine Frau Claire und die Kinder Hertha, Frega und Olaf standen immer wieder für seine künstlerischen Studien Modell. Claire Christiansen erinnert sich an diese Zeit: „Das Leben war wunderschön, ich möchte fast sagen sorgenlos. Ein kameradschaftlicher Verkehr, zumal mit den jüngeren Kollegen. In die ersten Kreise eingeführt. Viel Ehren, großer Erfolg. Wer nach Darmstadt kam zu S.K.H. versäumte nicht, die „Villa in Rosen" zu besuchen ..." Trotz der vielen künstlerischen Anregungen in Darmstadt zog die Familie im Jahre 1912 nach Wiesbaden, Christiansen hat damit als letzter der „Sieben" Darmstadt verlassen. Das Haus „In Rosen" verkaufte er mit großem finanziellem Verlust.
Hans Christiansen in Wiesbaden In Wiesbaden widmete sich Christiansen fast ausschließlich der Malerei und der Philosophie. Nach dem ersten Weltkrieg erlangte er einen ausgezeichneten Ruf als Portraitist. Da Christiansen sich im „Dritten Reich" weigerte, sich von seiner jüdischen Frau zu trennen, entzogen ihm die Nationalsozialisten die Existenzgrundlage durch ein absolutes Malverbot. Sein ehemaliges Wohnhaus in Darmstadt, Villa „In Rosen" ging 1933 in den Besitz der Stadt Darmstadt über. Aus denkmalpflegerischen Gründen durften am Gebäude keine baulichen Veränderungen vorgenommen werden. Die noch vorhandenen Möbel und Einbauten in der Halle und im Speisezimmer sollten im Originalzustand erhalten werden. Im Jahre 1938 mußten Christiansens Kinder Herta, Frega und Olaf Deutschland aus Sicherheitsgründen verlassen. Der Freundschaft des Künstlers zum Wiesbadener Oberbürgermeister Dr. Glässig war es zu verdanken, daß Claire Christiansen nicht in ein Konzentrationslager deportiert wurde. Die Nazis zwangen das Ehepaar Christiansen dazu, ihre Wohnung im eigenen Wiesbadener Haus zu räumen und in die Mansarde dieses Gebäudes zu ziehen. Im September 1944 wurde das Haus „In Rosen" bei einem Luftangriff von einer Brandbombe getroffen und brannte vollkommen aus. Keine vier Monate später, am 5. Januar 1945, starb Hans Christiansen im Alter von 78 Jahren. Claire Christiansen übersiedelte nach Frankreich zu ihren Kindern, sie starb 1973 im Alter von 103 Jahren.
Das Haus Christiansen nach dem Zweiten Weltkrieg und der Brunnen von Hartung Erst in den späten 50er Jahren wurden die verbliebenen oberirdischen Mauerreste der Villa „In Rosen" abgetragen. Die Grundmauern sind jedoch unter der Rasenfläche noch vorhanden. Durch das Vorhaben der Eheleute Sander würde damit ein wichtiger Erinnerungsort vernichtet werden. Nicht nur das Zeugnis von Olbrich und Christansen würde zerstört, sondern auch ein weiteres Denkmal, nämlich der Brunnen von Hartung und dessen gezielte örtliche Plazierung durch Prof. Bartning. Der Brunnen ist an eben dieser Stelle ein gewichtiges Zeugnis der Geschichte nach 1945 und Darmstadt sollte sich glücklich schätzen, diesen bekommen zu haben. Prof. Bartning (Wiederbegründer und Vorsitzender des Deutschen Werkbundes und Präsident des BDA) hat den Brunnen aus der internationalen Weltausstellung (Brüssel 1958) nach Darmstadt geholt und sehr bewußt den besonderen, zeitgeschichtlich so bedeutungsvollen Ort am Alexandraweg ausgesucht. Die örtliche Lage des Brunnens symbolisiert und unterstreicht beispielhaft die geschichtliche Entwicklung zwischen dem lebensbejahenden Aufbruch zu Beginn des 20. Jahrhunderts, der Nazidiktatur mit seinem kläglichen Ende und dem neuen demokratischen Deutschland nach 1950. Darf also ein privater Museumsneubau, der keinen Bezug zur Künstlerkolonie aufweist, der architektonisch, inhaltlich, ideell und geistig einen Fremdkörper darstellt, in das von der Denkmalpflege geschütztem Ensemble der Mathildenhöhe eingebracht werden?
Die Bürgerinitiative schlägt vor: Der Osthang der Mathildenhöhe ist nach Auffassung der Bürgerinitiative SOS- Mathildenhöhe, der geeignete Ort, der in Darmstadt große Zustimmung für ein Museumsgebäude erhalten würde. Schon um 1985 erkannte man, daß der Osthang für eine neue Kulturmeile wie geschaffen ist. Entsprechende Architektur- und stadtplanerische Überlegungen (mit Modellen) liegen vor. Die Eheleute Sander sollten das ehemalige Grundstück Christiansen der Stadt zurückgeben, denn dieses Grundstück muß als Zeitdokument und als Bodendenkmal für die unter dem Rasen liegenden Mauern erhalten bleiben. Sanders könnten dann am Osthang der Mathildenhöhe den Anfang machen und ein großes Privat-Museum errichten, dem sich weitere öffentliche Kultureinrichtungen anschließen können und sollen.
Für die Bürgerinitiative SOS-Mathildenhöhe Darmstadt
Stefan Zitzmann
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Kommentare
lese diesen Bericht zum 2.Mal und lese ihn gerne!!
Habt IHR/hast Du nun eigentlich 'mal beo Pierre K. gemeldet??
ich weisss, dass er sich oft wie eien 'Prima-Ballerina' auffuehrt. Sein Plakat war sicherlich auch nicht 'praegnant'und simpel genug ....er hat sich jedoch Arbeit gemacht,beide,a uch Barbara. Er verdient mindestens eine Mitteilung!!!Ku emmere Dich bitte darum!!
Danke, Liz
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