| Stadt und Stifter mögen sich besinnen |
| Sonntag, den 09. Januar 2011 um 14:02 Uhr |
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Mit einigem Widerwillen hätte ich dieses Vorhaben ertragen, denn weder dem Wunsch der Sanders, die MH mit ihrer Sammlung zu bereichern, noch den Bestrebungen der Stadt, die MH durch Rekonstruktionsmaßnahmen zum Weltkulturerbe zu erheben, hätte ich ernsthaft widersprechen mögen. Denkmalpfleger Heiss deutete damals an, der äußere Umriss des Hauses Christiansen dürfe nicht überschritten werden und werde wiederbelebt, aber mit neuem Inhalt erfüllt. Nun aber kommt das erschreckende Ergebnis des Wettbewerbes. Die seinerzeit angemahnte Erhaltung des Umrisses wird ignoriert. Die preisgekrönten Entwürfe gehen sämtlich von würfel- oder quaderförmigen Gebäuden aus. Diese sind im Dachbereich zu ausladend und bedrängen im optischen Eindruck die Nachbargebäude. Das nachzuempfindende Original hatte kein plattes Flachdach, sondern ein Dach, das sich nach oben verjüngt wie alle Dächer der Künstlerkolonie. Einen der wenigen Entwürfe, die ein gegliedertes Gebäude mit Giebeldach vorsehen, lieferte das im Kunstbau erfahrene Büro Chipperfield (Berlin). Sein Baukörper fügt sich sehr angenehm in das Gesamtbild (s. Echo vom 9. Juli). Warum klebt die Jury an Kuben oder Quadern - diese Figuren erscheinen mir im formenreichen Ensemble der Mathildenhöhe unerträglich! Würde ein Kubus dort gebaut, müsste die Speisekarte des angrenzenden Restaurants Alacarte geändert werden: Anstelle von „Gekochter Tafelspitz mit grüner Soße und Butterkartoffeln“ müsste stehen: „Gekochter Tafelspitz mit grüner Soße und Eiswürfel“! Auf einem anderen Bauplatz würde ein Kubus weniger störend wirken, wenn man ihn denn unbedingt haben will. Am Osthang der Mathildenhöhe (Vorschlag Beil, ECHO vom 1. Juli) wäre das Museum leichter unterzubringen. Dieser Vorschlag findet viel Beifall (s. auch ECHO vom 14. Juli). Die Stadt behält sich aber andere, allerdings nicht einmal ihr selbst bekannte Planungen vor. Ein weiterer ansprechender Vorschlag bringt den Abhang westlich des Areals der KH als Bauplatz ins Spiel (Eva Ludwig und Rita Jacoby). Die trapezförmige Wiese am Nicolaiweg bietet einen dem ehemaligen Grundstück Christiansen vergleichbare Fläche. Die Stadt und die Stifter sollten sich in dieser Richtung noch einmal besinnen. Leserbrief von Johann W. Buchler im DA Echo von 2010. |
Kommentare
Die Diskussion über verhinderte Bau-Projekte nimmt nun doch bedenkliche Züge an. Sicherlich gibt es zahlreiche Bausünden (nicht nur in Darmstadt). Der geplante Neubau des Sander-Museums gehört meiner Ansicht nach keinesfalls dazu und sollte unbedingt (auch an dieser Stelle) realisiert werden! Alle selbsternannten Verhinderer sollten sich fragen, ob sie in Ihrem eigenen Aktionsfeld auch so viel verhindern und jeder geplanten Neuerung bzw. Veränderung negativ begegnen.
Mit der Strategie 'möglichst wenig verändern' würden wir heute noch im Mittelalter leben, wenn man das etwas polemisch nennen darf. Daher unbedingt Museumsbau realisieren - Jetzt !
für Ihren Beitrag möchte ich Ihnen ganz herzlich danken! Nachdem wir in den letzten neun Monaten ganz ausnahmslos Stellungnahmen von Gegnern eines Museum Sander am Südhang gelesen haben, nun endlich eine(!) Stimme dafür, toll!
Leider muss ich Ihnen sagen, dass Ihr Einwand ein wenig spät kommt.Selbst das Stifterehepaar hat inzwischen bekundet, dass ein Klötzchen unterhalb des Ernst-Ludwig-Hauses nicht angemessen ist und ein Gebäude mit Satteldach die bessere Alternative wäre.
Was nun? Vermutlich ist es ein wenig zu spät, das Steuer herum zu reißen, zumal sich auch die Darmstädter Parteienlandsch aft ganz überwiegend von diesem Projekt distanziert hat. Von den vielen tausend kulturinteressi erten Bürgern Darmstadts ganz zu schweigen, die dem Museumsprojekt eine Absage erteilt haben.
Vermutlich bleibt uns also nichts anderes, lieber Michael, als Sie als den einzigen Mitbürger im Herzen und in der Erinnerung zu bewahren, der sich öffentlich zu einer verqueren Idee bekannt hat, wenn auch erst, als diese schon längst vom Tisch und allen Beteiligten so fern wie das Mittelalter war.
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