Einfach ignorant
Freitag, den 31. Dezember 2010 um 19:59 Uhr

Die FDP-Politikerin Ruth Wagner weist in der Debatte zum geplanten Sander-Museum auf der Mathildenhöhe darauf hin, „dass auch unter den dritten Preisen des Wettbewerbs interessante Ideen zu finden sind“. Mit anderen Worten: Sollte nicht der banal-triste Siegerentwurf umgesetzt werden, kann beliebig auch ein anderer Beiträg des Architektur-Wettbewerbs zur Ausführung kommen. Hauptsache ein moderner Museumskomplex wird zu Füßen der Mathildenhöhe in den malerischen Hang gerammt.

Ignoranter kann man kaum auf die Stimmen besorgter Darmstädter reagieren, die ihre einzigartige Stadtkrone vor maßstabslosen Architekturträumen der Politik beschützen möchten. Eine gestandene Kulturschaffende wie Wagner müsste eigentlich wissen, dass die Mathildenhöhe mit ihrem sensiblen Jugendstilensemble der falsche Ort für städtebauliche Experimente ist.

Ein Blick auf die lieblos aufgebaute Innenstadt genügt, um festzustellen, dass Darmstadt reich an trostloser Nachkriegsmoderne ist. Es ist daher unverständlich, warum ausgerechnet auf der historisch wertvollen Mathildenhöhe ein trendig-moderner Museumsneubau durchgeboxt werden soll.

Demokratie bedeutet auch, dass Fehlentscheidungen rückgängig gemacht werden können. Bisher hat man nicht den Eindruck, dass die Stadtverantwortlichen die Tragweite des fehlgeleiteten Museumsprojektes richtig einschätzen und zu einer eindeutigen Korrektur bereit sind. Es ist absehbar, dass mit dem brutalen Eingriff in das bauliche Gefüge der Mathildenhöhe die harmonische Gesamtheit des Jugendstilensembles leichtfertig zerstört wird.

Leserbrief von Thomas Petzina  im DA Echo vom 2.11.2010

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