| Die Erinnerung an das Haus Christiansen würde durch einen Neubau am gleichen Standort beschädigt |
| Geschrieben von: S. Thiele |
| Mittwoch, den 08. Dezember 2010 um 11:28 Uhr |
|
Es wird heute leicht unterschätzt, welch enormen Beitrag neben dem Großherzog Ernst-Ludwig, die einzelnen Künstler auch zur Finanzierung der Ausstellung von 1901 geleistet haben, in dem sie nicht nur die Grundstücke und Häuser, sonder auch eine komplett neue Innenausstattung auf eigene Kosten geschaffen haben. Hans Christiansen hat daran mit dem Haus in Rosen und seinem reichen Interieur einen erheblichen Anteil, den er kaum ohne die Hilfe seiner Frau Claire (geborene Guggenheim) hätte aufbringen können. Er ist also nicht nur als Künstler sondern zusammen mit seiner Frau neben dem Großherzog Ernst-Ludwig auch als Mäzen der damaligen Ausstellung zu betrachten.
Würde heute ein Neubau mit einem neuen Namen an der selben Stelle errichtet, so würden dabei nicht nur die noch verbliebenen Grundmauern vollständig entfernt, es würde auch die Erinnerung an das Haus Christiansen und seine Zerstörung im zweiten Weltkrieg überdeckt. Die Lücke, welche nach dem Krieg durch den Abriss des Hauses Christiansen entstand und an deren Stelle heute der Ernst-Ludwig-Brunnen steht, ist vielen Darmstädtern ein Mahnmal für die wechselvolle Geschichte dieses Ortes. Dies alles macht den Erinnerungswert des Grundstücks aus und trägt zur Bedeutung der noch erhaltenen Fundamente als Bodendenkmal bei. Herr Benze vom Verein Freunde der Mathildenhöhe bemerkt dazu:
Die Mathildenhöhe ist hier wie eine moderne archäologische Zone. Kein Mensch käme in Rom auf die Idee, das Forum Romanum, nur weil es einmal bebaut war, heute mit modernen, zeitgemäßen Bauwerken wieder zu ergänzen. Dieses soll jetzt aber auf der Mathildenhöhe geschehen. Je bedeutender der zukünftige Erfolg des Musuem-Sanders, den wir Darmstadter ihm wünschen, ausfallen würde, umso stärker würde die Erinnerung an die vormalige Nutzung des Bauplatzes dahinter verblassen. Im Falle Christiansens wäre dies umso schmerzlicher, als es hierbei auch um sein Malverbot und anderer Diskriminierungen während dem 3. Reich geht, was ihm wegen der Treue zu seiner jüdischen Ehefrau auferlegt wurde, ohne deren Vermögenseinsatz die Ausstellung Dokumente Deutscher Kunst 1901 deutlich bescheidener ausgefallen wäre. Es sei hierbei daran erinnert, dass zum Beispiel die Rezeption der Ausstellung in der Zeitschrift Deutsche Kunst und Dekoration vom Haus Christiansen geradezu dominiert wird. |