Die Symmetrie von 1901 war nicht auf Nachhaltigkeit geplant
Geschrieben von: S. Thiele   
Mittwoch, den 08. Dezember 2010 um 11:19 Uhr

 

Ein wesentlicher Bestandteil des ursprünglichen Symmetrieentwurfs von Prof. Olbrich war das Haus für Flächenkunst, welches als Pendant zum Ernst-Ludwig-Haus das untere (südliche) Ende der Symmetrie-Achse markierte. Wenn man beim Begriff Achse an die technische Entsprechung bei einem Wagen denkt, kann man sich diese beiden Gebäude gewissermaßen als die Räder an den Enden der Achse vorstellen.

 

Das Haus für Flächenkunst war allerdings von Anfang an nur als temporärer Bau geplant und wurde kurz nach Ende der Ausstellung von 1901 wieder abgetragen. Damit wurde schon sehr früh einer der Endpole der Mittelachse der Künstlerkolonie entfernt. Die untere südliche Hälfte der Symmetrieachse, die während der Ausstellung 1901 noch als Zugangsweg zum Haus für Flächenkunst diente, wurde zu diesem Zeitpunkt bereits dem Privatgarten des kleinen Glückert-Hauses zugeschlagen und damit dem öffentlichen Zugang entzogen. Dies zeigt deutlich, dass die Symmetrie in der ursprünglichen Planung ebenso wie das Haus für Flächenkunst lediglich eine temporäre auf die Dauer der Ausstellung begrenzte Rolle gespielt hat. Hätten der Großherzog Ernst-Ludwig und Prof. Olbrich wirklich einen bedeutenden Wert auf die Nachhaltigkeit der Symmetrieachse gelegt, so hätten sie den Teil südlich des Alexandrawegs als öffentliche Fläche parzelliert und dieses Gelände nicht als privates Grundstück veräußert. Die Tatsache, dass Herr Glückert als Erstbesitzer dieses Gartens sich selbigen von Olbrich symmetrisch als Rosengarten anlegen ließ, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich sowohl Großherzog Ernst-Ludwig als auch Prof. Olbrich darüber im Klaren sein mussten, dass auf lange Sicht die Gartengestaltung in der Hand von Privateigentümern auf ein Zuwachsen mit großen Bäumen, wie wir sie heute dort sehen können, hinauslief.

Dass man heute die "verloren gegangene Symmetrie wieder erfahrbar" machen möchte ist angesichts dieser Tatsachen (untere Hälfte der Achse war seit 1901 nicht einmal mehr öffentlich begehbar) ein sehr schwaches Argument, zumal der geplante Neubau alleine schon wegen seiner - dem Platzbedarf geschuldeten - monströsen Gestalt in keiner ausgewogene Relation zum Haus Olbrich stehen würde. Bei der fixen Idee, auf den Grundmauern des Hauses Christiansen müsse man unbedingt wieder ein voluminöses Gebäude errichten, was viele reizvolle heutige Ansichten versperrt, handelt es sich um eine architektonische Zwangsvorstellung, die nicht nur aus Sicht vieler Darmstädter Bürger einen fatalen Eingriff in das Denkmal Künstlerkolonie darstellt.

Gartenplan von 1901
Gartenplan von Prof. Olbrich, 1901. Alle wesentlichen Bestandteile der Symmetrie (ausser den Privathäusern) südlich des Alexandrawegs wie z.B das Haus für Flächenkunst, die Wege sowie Brunnen und Wasserbecken waren nur temporär für die Ausstellung geplant.

 

Südlicher Teil der Symmetrieachse mit dem Haus für Flächenkunst in der Mitte
Südlicher Teil der Symmetrieachse mit dem Haus für Flächenkunst

 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode


Aktualisieren