Argumente
Die Mathildenhöhe als Weltkulturerbe - Behauptungen der Befürworter - Antworten der Bürgerinitiative
Geschrieben von: Ingo Hagel   
Donnerstag, den 13. Januar 2011 um 14:29 Uhr

Wir setzen unsere Informationen zur Mathildenhöhe mit dem Thema „Weltkulturerbe“ fort. Anlaß ist der Wunsch der Stadt, die Anerkennung der Kultureinrichtungen in der Stadt Darmstadt (Mathildenhöhe und weitere Bauten) durch die zuständige Abteilung der UNESCO in Paris als Weltkulurerbe zu erlangen.

 

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Behauptungen der Befürworter bzw. die Begründungen für den Antrag auf das „Weltkulturerbe“.

Die Antworten der BI-SOS-Mathildenhöhe


Die Bewerbung Darmstadts bei der UNESCO kostet fast nichts. Drei Schuber Material und 6.000 Euro habe Dresden für seine Bewerbung ausgegeben (Sissy Geiger 22.8.2007)

Geiger hat übersehen, daß schon N. Heiss die Wiederherstellung der grünen Achse (Glückert-Häuser) mit 200.000 €, die Wiederherstellung des Poleninstitutes mit 400.000 €, die Wiederherstellung der Pergolen 160.000 € schätzt. Eine Auflistung aller Maßnahmen, die teils während der Antragstellung und teils nach der Aufnahme als Weltkulturerbe notwendig sind, werden von der BI auf rund 10 Mio € geschätzt. Grundlage der BI-Liste sind die Maßnahmen, die N. Heiss in der Öffentlichkeit bereits genannt hat.

Die Gärten südlich des Alexandraweges sollen wiederhergestellt werden (N. Heiss 17.7.2009)

Heiss fordert, daß die Gärten von den jetzigen Eigentümer „wiederhergestellt“ werden sollen. Er übersieht, daß die privaten Grundstückseigentümer nur durch Zwang dazu gebracht werden können: Aufkauf oder Enteignung.

Der Osthang der Mathildenhöhe solle bebaut werden und zwar mit experimentellem Wohnungsbau (N. Heiss 17.7.2009)

Ein Planungswettbewerb in den 80er Jahren des 20. Jh. sah dort eine gestaltete Zeile mit öffentlichen Kulturbauten vor. Noch heute ist dort aber ein rechtskräftiger Bebauungsplan vorhanden, der u.a. ein siebengschossiges Hotel vorsieht. Wie passt das mit dem „Weltkulturerbe“ zusammen?

Zum Antrag Weltkulturerbe gehören auch als didaktische Satelliten das Jugendstilbad, der Hauptbahnhof, das Prinzessinenhaus in Wolfsgarten und der Keramikhof in Bad Nauheim (N. Heiss 17.7.2009)

Die BI meint, was soll denn sonst noch in den Antrag?

Jugendstilbauten gibt es sicher auch noch in Wiesbaden, Frankfurt, Wien oder München! Was hat im übrigen der Hauptbahnhof mit der Lebensreformbewegung zu tun?

Die Kosten für den Antrag Weltkulturerbe können noch nicht beziffert werden. Zur Finanzierung sollen die Wüstenrot-Stiftung, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, das Landesamt für Denkmalpflege und Sponsoren herangezogen werden. (OB Hoffmann 1.9.2009)

Wir schließen uns dem Darmstädter Echo an, das meinte: „Ein noch immer optimistisch-utopischer Ansatz.“ (Echo vom 1.9.2009).

Die BI meint: Man sollte das Geld anderer Leute nicht verplanen, man muß es selber haben.....

Die fehlenden Parkplätze auf der Mathildenhöhe können in Form einer Tiefgarage am Osthang der Mathildenhöhe errichtet werden. (N. Heiss 1.9.2009)

Eine erstaunliche Fehleinschätzung des Koordinators Mathildenhöhe N. Heiss. Der Osthang als Parkplatz und Tiefgarage in Gegenlage zum Ausstellungsgebäude?

Der Osthang sei ein Kapitel für sich, er solle ein Kernstück einer Kulturmeile (von der Innenstadt bis zur Rosenhöhe) werden. (N. Heiss 1.9.2009)

Der Osthang der Mathildenhöhe solle bebaut werden und zwar mit experimentellem Wohnungsbau (N. Heiss 17.7.2009), was gilt jetzt Herr Heiss?

Man wolle einen internationalen städtebaulichen Wettbewerb veranstalten. Thema: Darstellung der Ideen aus den ersten Ausstellungen der Künstlerkolonie am Anfang des 20. Jh. (N. Heiss 1.9.2009)

Die Vorstellungen des Koordinators reichen für den Osthang der Mathildenhöhe vom Parkplatz über den experimentellen Wohnungsbau bis zur Kulturmeile. Vielleicht wäre es besser, zunächst einmal ein umfassendes und abgestimmtes Kulturkonzept zu entwickeln und dann einen städtebaulichen Wettbewerb zu veranstalten.

Der Entwurf des Preisträgers (beim ausgelobten Wettbewerb) erfülle genau die Kriterien, die beim Antrag auf Anerkennung der Mathildenhöhe als Weltkulturerbe, gefordert werden. Der Ergänzungsbau müsse nach den Bedingungen der Charta von Venedig immer den Stempel der jeweiligen Zeit tragen. (N. Heiss 1.7.2010)

Die Bedingungen der Charta von Venedig fordern jedoch den sog. Ergänzungsbau eben nicht. Den Bedingungen der Charta wird vollauf Rechnung getragen, wenn die Stadt bei ihrem Antrag genau beschreiben würde, daß die Mauerreste des Hauses Christiansen, ein zeitgeschichtliches Dokument sind, die auf sehr nachdrückliche Weise daran erinnern, daß die Idee der Lebensreformbewegung, selbst durch die Bomben des II. Weltkriegs, nicht aufgehalten werden kann. Wenn das Museum Sander am Osthang gebaut würde, gäbe es gewiß keine Schwierigkeiten mit der UNESCO.

Es gibt keinen vernünftigen Grund, den Bau abzulehnen. (Landesamt für Denkmalspflege, Gerd Weiß am 4.10.2010, Da-Echo).

Die Frage lautet: Mit Verlaub Herr Weiß, woher wissen Sie das so bestimmt? Selbstverständlich gibt es auch „vernünftige Gründe“, das Vorhaben an dieser Stelle abzulehnen. Die „hohe“ Stellung ist nicht immer mit „höherem“ Durchblick verbunden.

 

 
Argumente gegen den Museumsbau Sander - eine Analyse der verschiedenen Fehlurteile
Geschrieben von: Ingo Hagel   
Dienstag, den 11. Januar 2011 um 14:37 Uhr

Die Bürgerinitiative SOS-Mathildenhöhe möchte die Bürger der Stadt Darmstadt, aber auch die Interessierten von außerhalb, kurz alle Freunde der Mathildenhöhe Darmstadt über das „Sander-Museum“ am Südhang der Mathildenhöhe informieren. Unsere Information soll das „Pro und Kontra“ zeigen, das sich in öffentlich zugänglichen Medien zum Bauprojekt Sander findet. Wir wollen den Südhang der Mathildenhöhe frei von jeder Bebauung halten, der Hartung-Brunnen und die Baureste des ehemaligen Hauses Christiansen sollen ungestört bleiben, wir sind aber für ein Museum Sander am Osthang der Mathildenhöhe.



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Die Behauptungen der Befürworter des Museums Sander


Die Antworten der Bürgerinitiative SOS Mathildenhöhe


Es wird gefordert, daß der Museumsbau in Kubatur und Dachform weitgehend dem ehemaligen Haus Christiansen entsprechen müsse (N. Heiss 25.7.2009).

 

Das Wettbewerbsergebnis (1. Preisträger) zeigt das Gegenteil, ein dunkler Klotz, fast ohne Fenster mit einem Flachdach und teilweise außerhalb der vorgegebenen Baufläche sowie in völliger Konkurrenz zum Ernst-Ludwig-Haus.

Dass alle Verhandlungen mit dem Ehepaar Sander unter der Decke geblieben sind, macht mich richtig stolz (OB Hoffmann 25.7.2009).

Das ist eine erstaunliche demokratische Auffassung, die hier vom OB geäußert wird. Politik nach Gutsherrenart im 21. Jh.!

„Ein so selbstloses großherziges Mäzenatentum sei einmalig, das ist eine deutsches Ereignis“ (Ruth Wagner 25.7.2009)

Geht es nicht eine Nummer kleiner?

Der zerstörte Bau (Haus Christiansen) könne durch eine Idee - das Museum Sander - erstmals wieder Wirklichkeit werden. (N. Heiss 1.9.2009).

Das Haus Christiansen kann (und darf) nicht durch einen „modernen“ Bau „ersetzt“ werden. Die Reste des Hauses Christiansen sind ein zeitgeschichtliches Dokument, warum muß dieses erneut, und diesmal endgülig zerstört werden?

Im Zusammenhang mit dem Antrag Weltkulturerbe sollen die sog. Meisterbauten aus den 50er Jahren des 20. Jh. auch eine Rolle spielen. (N. Heiss 1.9.2009).

Warum sollen die Bauten für die Lebensreformbewegung um 1900 nun mit den Bauten aus der Nachkriegszeit verbunden werden?

Wo ein Olbrichbau (Haus Christiansen) gestanden hat müsse ein Bau mit den selben Abmessungen errichtet werden, um die Lücke zu schließen. (N. Heiss 17.4.2010).

Von einer Lücke zu sprechen, die unbedingt zu schließen sei, ist nur eine Behauptung. Viele Darmstädter empfinden die freie und gepflegte Fläche links des Ernst-Ludwig-Hauses als wohltuend. Vielleicht sollte Herr Heiss mehr „den Mut zur Lücke“ haben.

Es müsse rasch geplant werden, allerdings sei nicht bekannt, ob einer der Preisträger auch mit der Ausführung durch die Eheleute Sander beauftragt werde. Auch sei unklar, ob ein Bau überhaupt (bauaufsichtlich) genehmigt würde, weil er einfach nicht passt und sich daher auch nicht einfügt. (N. Heiss 17.4.2010).

Wieder einmal soll in Darmstadt „schnell“ gehandelt werden, man hat zwar keine Kulturkonzeption für die Mathildenhöhe, aber es muß sofort gebaut werden. Welcher Architekt den Bau mit welcher Gestaltung errichten soll, bleibt dem Zufall überlassen.


Der Vorsitzende des Preisgerichtes faßt das Ergebnis des städtebaulich-architektonischen Wettbewerbes so zusammen: Das Projekt des ersten Preisträger besticht durch seine sichere Positionierung bei allen Fragestellungen der Aufgabe. Das Projekt binde (fügt) sich in die Umgebung sicher ein. „Die Mathildenhöhe bleibt als Ort der Stille durch die konzentrierte Reduktion des Eingriffs gewahrt“. (Da-Echo vom 29.6.2010).


Von einer Einfügung des Projektes oder der sicheren Einbindung zu sprechen, wird gerne aus dem allgemeinen Wortschatz bei Wettbewerben entnommen, der Satz ist beliebig und daher nur eine Worthülse. Besonders interessant ist die „konzentrierte Reduktion des Eingriffs“, unfreiwillig drückt er das aus, was zu erwarten ist: Ein rechteckiger Kubus, ein Backsteinklotz ohne den Ansatz einer Gliederung, der extrem nahe an das Ernst-Ludwig-Haus heranreicht.

 

Die von der Stadt erstellte „Rahmenkonzeption“ war allen Bürgern zugänglich. (N. Heiss 1.7.2010).

 

Die „Rahmenkonzeption“ ist sicher eine 60seitige Fleißarbeit, die in wenigen Exemplaren veröffentlicht (gedruckt) wurde. Es mag sein, daß sie im Internet abrufbar war, doch ist das Internet nicht der Ort, der eine wirkliche Diskussion (z.B. in Bürgerversammlungen) möglich macht, denn wer hat schon Internet und druckt sich 60 Seiten aus?

 

Durch den Weltkrieg wurde die städtebauliche Symmetrie-Achse zerstört, sie ist nicht mehr spürbar. (N. Heiss 1.7.2010).

Es macht sich gut, von einer Symmetrie-Achse zu sprechen, aber: Ist ein 25 Meter langer Treppenaufgang (vom Alexanderweg zum Ernst-Ludwig-Haus) schon eine Achse? Natürlich nicht. Nun wird der Begriff noch weiter aufgeladen: Eine „Symmetrie-Achse“ muß es schon sein. Von einer Symmetrie-Achse kann schon deswegen nicht gesprochen werden, weil das Gebäude Olbrich und das Gebäude Christiansen nie spiegelbildlich waren. Jedes Gebäude hatte einen anderen Grundriss, Aufriss, Fassade und Dachform. Die wirkliche städtebauliche Achse von 1900 war die Verbindung Haus der Flächenkunst zum E-L-H. Der Museumsbau würde jetzt eine inzwischen historisch gewordene (gewachsene) Sicht-Beziehung zwischen dem Hartung-Brunnen und dem Aufgang zum E-L-H zerstören.

 
 

Professor Max Bächer hat keine Lücke neben dem E-L-H entdecken können. (Da-Echo vom 15.7.2010).

 

Herrn Prof. Bächer kann man nur zustimmen, die Bürgerinitiative konnte auch keine städtebauliche Lücke entdecken.

 

Das neue Gebäude solle die Kubatur des Hauses Christiansen nicht übersteigen, es soll modern, aber zruückhaltend sein und sich nicht in den Vordergrund drängen. Die Ergebnisse des Wettbewerbs zeigten, daß die Vorgaben der Stadt erfüllt seien. Der Siegerentwurf besteche durch sein einfaches klares Konzept. (N. Heiss 1.7.2010).

Diese baulichen Vorstellungen sind am Südhang nicht real, sondern Fantasie. Das Wettbewerbsergebnis zeigt ja eindeutig wie gewalttätig sich der Neubau darstellt: Er protzt nur und stellt alle umgebenden Bauten in den Schatten. Dieser Bau nimmt keinerlei Rücksicht auf die feingliedrigen und zurückhaltenden Gebäude aus der Zeit um 1900.


 

Durch den Museumsbau würde ein Gewinn an historischer Wahrheit und Klarheit erzielt werden. (Denkmalbeirat 24.7.2010).

Dies ist eine der vielen Worthülsen, die nicht weiterhelfen. Wahrheit und Klarheit, wenn denn solche Nebelbegriffe eingeführt werden, sind etwas ganz anderes, nämlich die Bewahrung der gewordenen Situation durch den II. Weltkrieg. Unter dem Rasen liegt die Wahrheit und Klarheit, nämlich das Haus Christiansen, bzw. dessen Reste, ein Bodendenkmal.


 

Nicht wir haben ein Haus an dieser Stelle vorgeschlagen, sondern Olbrich, so N. Heiss am 19.8.2010.

 

Nun muß also Olbrich auch noch herhalten, den Bauklotz (das sog. neue Privat-Museum Sander) zu rechtfertigen. Hier wird die Geschichte von Heiss relativiert. Olbrich kann aus einfachen Gründen deswegen kein Kronzeuge für den Entwurf der Architekten aus Leipzig sein, weil inzwischen 100 Jahre vergangen sind und geschichtliche Ereignisse nicht einfach rückabgewickelt werden können.

 

Der Baukörper müsse vom E-L-H erheblich abgerückt werden und 3 Meter niedriger ausfallen. (N. Heiss am 19.8.2010).

 

Nun hat Heiss auch erkannt, daß das neue Museum den Baukörper des E-L-H nicht nur bedrängen, sondern fast erschlagen würde. Diese Meinung teilen wir, allein das Verrücken des neuen Museums und die Reduktion um 3 Meter, bringt aber keineswegs ein brauchbares Ergebnis. Dieser neue Baukörper stört dort prinzipiell.

 

Auch über das Material der Fassade müsse noch geredet werden. (N. Heiss am 19.8.2010).

 

Der neue Baukörper wird nicht viel besser, wenn man statt Backsteinen nun einen weißen Putz anbringt. Vielleicht entscheidet sich der Bauherr zu weißen und sichtbarem Kalksandsteinmauerwerk, was will Herr Heiss dem entgegensetzen? Hat Herr Heiss die rechtliche Handhabe dazu, wenn ja welche?

 

Die Pläne des Bauherren würden durch die Bauaufsicht, Stadtplanung und das Denkmalamt genau geprüft. (N. Heiss am 19.8.2010). 

 

 

Solche Versicherungen sind erstens eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Zweitens hat die Erfahrung im Prinz-Christiansweg mit dem Bauherrn S. (Da.-Echo vom 25.7.2000 und vom 13.9.2000) gezeigt, daß manches einfach geschieht, Heiss: „Aber wir haben daß wohl nicht so richtig gesehen“. 

 Was passiert, wenn das derzeit geplante Gebäude doch zu klein ist?  Eine Frage bleibt immer offen: Was passiert, wenn der Bauherr feststellt, die notwendige Bruttogeschoßfläche kann in den beiden Tiefgeschossen aus technischen Gründen nicht erreicht werden? Lautet dann die Antwort der Stadt: Dann wird eben das Gebäude oberirdisch vergrößert?
 

Die Stadt Darmstadt hat versucht, in allen Phasen ein hohes Maß an Transprenz und Beteiligung zu garantieren. (OB Hoffmann 19.8.2010).

Unter Transparenz wird in der deutschen Sprache etwas anderes verstanden. Der Abschluß eines Erbbauvertrages unter größter Geheimhaltung zeigt, daß etwas faul ist, wäre es nämlich anders, könnte man die wichtigsten Fakten bekanntgeben. In diesem Vertrag, den die Stadt nicht offenlegen will, soll geregelt worden sein, was mit dem Grundstück und dem darauf errichteten Gebäude im Ablebensfall oder nach Ablauf der Vertragszeit geschieht. Welche öffentlich-rechtliche Körperschaft wird dann Eigentümer? Sind die Gemälde der gleichen Regelung unterworfen? Welche Gemälde (mit genauer Beschreibung), sind Bestandteil des Vertrages, was wird eigentlich der Stadt „geschenkt“? Weil wir uns nicht mehr auf das Wort des OB verlassen können, hier die Frage an den OB: Wo können die Bedingungen nachgelesen werden? 

Außerdem: Was war mit dem Wettbewerb, der nicht öffentlich (z.B. Hessenweit) ausgelobt war, warum nur für ausgesuchte Architekten? Dann: Wieso sind die konzeptionellen Vorarbeiten der Stadt Darmstadt nicht Wort für Wort in die Aufgabenstellung eingeflossen, wer war von wem „berufen“ worden, die Texte der Stadt einfach zu kürzen?

 

 

Fachleute, Ämter und Parteien seien informiert worden. (OB Hoffmann 19.8.2010).

 

Eine erstaunliche Erkenntnis des Herrn Hoffmann, die Bürger kommen garnicht vor, gibt es sie nicht mehr?

 

Das Christiansen-Loch als Diplomarbeit. Die Christiansen-Lücke sei intolerabel. Es sei eine Fehlinterpretation, diese Leerstelle zu belassen.

(Prof. W. Lorch 3.9.2010).

Prof. Lorch hat das „Christiansen-Loch“ als Thema einigen Diplomanden der TU gestellt, Aufgabe sei, die „Christiansen-Lücke“ zu schließen, denn hier sei die „Möglichkeit einer Reparatur eines defekten Ortes im Stadtgefüge“ gegeben. Herr Lorch stellt einfach eine Behauptung auf und spricht von einer „Reparatur eines defekten Ortes“. Allein die Wortwahl zeigt schon, wie „sensibel“ Herr Lorch ist, zudem hat er von den Mauerresten des Hauses Christiansen (einem Bodendenkmal) wohl keine Ahnung. Es ist die immer wiederkehrende Behauptung von Planern, es müsse unbedingt gebaut werden, nein Herr Lorch, so nicht!

 
 

Der internationale Wettbewerb, bei dem nur eingeladene Architekten zugelassen wurden, sei der übliche und der demokratischste Weg. (C. Geelhaar 11.9.2010).

 

Frau Geelhaar ist anzuraten, nicht vom „demokratischsten Weg“ zu reden, wenn am Wettbewerb nur wenige ausgesuchte Architekten teilnehmen dürfen. Wir stellen hier ein Erkenntnisproblem bei ihr fest!

 

Darmstadt ist keine Bäderstadt, der Brunnen von Hartung hat keinerlei Verbindung zum Jugendstil. (R. Wagner, www.fdp-darmstadt, 24.10.2010).

 

Niemand hat behauptet, Darmstadt sei eine Bäderstadt, warum der Imperativ und das reflexhafte Handeln von Frau Wagner? Niemand sagt, der Brunnen sei ein Zeugnis des Jugendstils. Der Brunnen symbolisiert etwas anderes, nämlich die bauliche Fassung der Wasserquelle, dem Sinnbild des Lebens und damit der Lebensreformbewegung. Die Gesellschaft der Förderer der Künstlerkolonie, die den Brunnen ankaufte, hat sich sehr wohl mehr überlegt, als Frau Wagner dieser Gesellschaft jetzt unterstellt.

 

Die Gebäude seien bei Ablauf entschädigungslos an die Stadt zu übergeben. (R. Wagner, www.fdp-darmstadt, 24.10.2010).

Dieses Wissen steht offensichtlich nur Frau Wagner zu, wo kann man das im Original nachlesen? Übrigens welche Stadt ist da gemeint?

 
 

Das Ehepaar Sander habe erklärt, daß die Stiftung die Präsentation der Sammlung zum Ziele habe, daß das Gebäude und die Sammlung nach dem Tode des Ehepaars an die Stadt übergeben werden solle. (R. Wagner, www.fdp-darmstadt, 24.10.2010).

Frau Wagner deutet und interpretiert etwas vom Hörensagen. Das ist sehr wenig, viel zu wenig! Die Fakten sollten auf den Tisch, zu jedermanns Einsicht, mehr nicht. Die Frage ist, warum sich die Meinung hält, im GmbH-Vertrag der „Stiftung“ sei die Stadt Darmstadt überhaupt nicht erwähnt?


 

Das Museum solle eine Ort der Bildung und Fortbildung werden. Kinder sollen die Geschichte der Stadt kennenlernen. (R. Wagner, www.fdp-darmstadt, 24.10.2010).

Das Museen Orte der Fortbildung sind, ist eine Binsenweisheit. Dazu muß jedoch nicht dieses Privat-Museum und an diesem Ort gebaut werden. Der Osthang ist dazu geeigneter.


 

Im April 2010 sei ein Kolloquium mit interessierten Architektenbüros durchgeführt worden. (R. Wagner, www.fdp-darmstadt, 24.10.2010).

 

Das ist wieder eine Nebelkerze, denn wer durfte an diesem Kolloquium teilnehmen, z.B. alle interessierten hessischen Architekten oder gar alle interessierten deutschen Architekten? Wie groß war die Teilnehmerzahl?

 

Durch die Beseitigung des Hauses Christiansen sei die Symmetrieachse erheblich gestört. Somit könne die Grundidee der Einheit von Künstlerhäusern und Arbeitsstätte nicht vermittelt werden. (R. Wagner, www.fdp-darmstadt, 24.10.2010).

 

Wenn die Olbrichsche Idee nur durch den Neubau Sander und nur an diesem Ort zu vermitteln wäre, muß von einem Armutszeugnis derer gesprochen werden, die das Projekt am Südhang so vehement befürworten. Olbrichs Wirken und seine Ideen brauchen keineswegs eine Rechtfertigung durch den Sander-Bau, im Gegenteil.

 

In Verhandlungen mit dem Eigentümer des Glückerthauses II und dem Eigentümer Haus Habich, könnten die Gärten in einen angemessenen (damaligen) Zustand versetzt werden. (R. Wagner, www.fdp-darmstadt, 24.10.2010).

 

Die sog. Verhandlungen laufen auf eine massive Einwirkung auf die neuen Eigentümer hinaus. Denn einmal angedacht wird die nächste Forderung sein, die Gärten auch für die Öffentlichkeit zu öffnen und die Kosten den Eigentümern aufzuladen. Insgesamt wäre dies die kalte Enteignung.

 

Die Sichtbeziehung (vom Aleandraweg) zur Russischen Kapelle gab es um 1900 nicht. (R. Wagner, www.fdp-darmstadt, 24.10.2010).

 

Frau Wagner übersieht, daß es heute diese Beziehung sehr wohl gibt, sie ist das Ergebnis des II. Weltkrieges. Warum muß dieser Teil der leidvollen Darmstädter Geschichte nun wieder zerstört werden?

 

Der Osthang als Bauort für das Museum Sander sei schon deswegen nicht geeignet, weil die betreffenden Grundstücke zu groß seien. (R. Wagner, www.fdp-darmstadt, 24.10.2010).

 

Die Besorgnis, daß die Eheleute Sander das/die Grundstücke am Osthang für zu groß halten, hat man noch nicht gehört. Im Gegenteil, Sanders könnten auf die beiden Tiefgeschosse am Südhang zu Gunsten eines etwas größeren Baues am Osthang verzichten. Die anvisierte (große) Zahl der Gemälde, die im Museum Sander ausgestellt werden sollen, erfordert geradezu ein größeres Gebäude.

 

Der Osthang biete sich für eine Erweiterung der jetzigen Ausstellungshallen auf der Mathildenhöhe und für neue Depotflächen an. (R. Wagner, www.fdp-darmstadt, 24.10.2010).

 

Hier wird eine Begründung förmlich gesucht, um den Osthang als nicht für das Museum Sander als geeignet erscheinen zu lassen. Frau Wagners wirkliche Absicht ist damit klar: Sander soll um jeden Preis am Südhang bauen.

 

Der Osthang sei für experimentelles Bauten sehr gut geeignet, im übrigen soll jede Planung mit der Hochschule Darm- stadt abgestimmt werden. (R. Wagner, www.fdp-darmstadt, 24.10.2010).

 

Der Osthang ist gegenüber dem Westhang bisher sträflich vernachlässigt worden. Er sollte auf jeden Fall so aufgewertet werden, daß er als Fortsetzung der Mathildenhöhe nach Osten wahrgenommen wird. Öffentliche Bauten an einem so sensiblen Ort aufeinander abzustimmen, ist pure Selbstver-ständlichkeit. Experimentelles Bauen sollte auf der Lichtwiese geschehen, der Osthang ist die zukünftige Kultur-Meile und kein Experimentierfeld.

 

Bei den Planungen der 19 Architekturbüros in dem nicht offenen Realisierungswettberwerb seien die baugesetzlichen Bestimmungen deswegen eingehalten worden, weil das Bauamt, die untere Denkmalbehörde und das Grünamt der Stadt am Verfahren teilgenommen haben. (R. Wagner, www.fdp-darmstadt, 24.10.2010).

Frau Wagner macht es sich zu einfach, quasi könne die Baugenehmigung schon bald erteilt werden, denn es seien nur einige wenige Korrekturen erforderlich (die Gebäudelage müsse etwas verändert, die Höhe etwas reduziert und die Fassade - Materialwahl - angepaßt werden). Frau Wagner kümmert sich sogar um die inneren Funktionen des Gebäudes, die verbessert werden müssten. Es ist auch bemerkenswert, daß die weisungsgebundenen städtischen Beamten, die am nichtöffentlichen Wettbewerbsverfahren teilnehmen durften, nun sogar zu Kronzeugen der Genehmigungsfähigkeit des Projektes herangezogen werden müssen.

 
 

Der Denkmalbeirat sei der Auffassung, daß der Museumsbau Sander auf dem Osthang die dortigen städtebaulichen Möglichkeiten erheblich einschränken würde. (R. Wagner, www.fdp-darmstadt, 24.10.2010).

Dem muss entgegengehalten werden, daß die Stadt seit Jahrzehnten diesen Osthang konzeptionell wie ein Stiefkind behandelt hat. Die Stadt hat dort sogar einen Bebauungsplan erstellt, der eine siebengeschossiger Hotel-Bauweise vorsieht, übrigens ohne kulturellen Bezug zur Mathildenhöhe.


 

Der Bau des Museums Sander am Südhang sei für die Erringung des Welterbestatues eher förderlich als hinderlich. (R. Wagner, www.fdp-darmstadt, 24.10.2010).

 

Die Probe aufs Exempel sollte bei „Glatteis“ unbedingt vermieden werden, denn der einmal erstellte Bau kann nicht mehr wegdiskutiert werden. Der Welterbestatus bliebe ein Traum; will Frau Wagner dieses Risiko und mit welchem Mandat, auf sich nehmen?

Die weitere architektonische Gestaltung und die Einbindung des Museums in das Ensemble der Mathildenhöhe, sollte öffentlich diskutiert werden. (R. Wagner, www.fdp-darmstadt, 24.10.2010).

Da Frau Wagner das Vorhaben am Südhang bereits für unumgänglich hält, was soll da öffentlich noch diskutiert werden? Etwa über die Materialwahl des Eingangsbereichs oder über das Material der Gartenzäune, denn die Hauptsache hat das Bauamt der Stadt doch schon für gut befunden?

 
Der Denkmalschutz blieb auf der Strecke
Geschrieben von: S. Thiele   
Mittwoch, den 08. Dezember 2010 um 11:38 Uhr

Vorgeschichte

Die Chronologie der Ereignisse und Entscheidungen rund um das Museum-Sander ist im Darmstädter Echo aus der Sicht der Stadt ausgiebig beschrieben. Daher wollen wir uns hier auf die dort etwas zu kurz gekommenen Aspekte beschränken und die Betrachtung darauf konzentrieren, wie sich die Denkmalschutz-Anforderungen und Vorgaben bezüglich der Gestaltung des Neubaus im Laufe der Zeit gewandelt haben.

Von der Arbeitsgruppe A der Planungswerkstatt im November/Dezember 2006 wurde für die Stelle des ehemaligen Hauses Christiansen ein "Neubau höchster Qualität vorgeschlagen", in seiner Gestalt aber nicht näher spezifiziert.

Dieses wenig beachtete Ergebnisdetail der Planungswerkstatt war weitgehend in Vergessenheit geraten, als die Stadt am 24.07.2009 das konkrete Vorhaben erstmals in einer Pressekonferenz als bereits beschlossene Sache der Öffentlichkeit vorstellte.

Rahmenkonzeption

In dem im Juli 2009 vom Magistrat beschlossenen und am 3.9.2009 von der Stadtverordnetenversammlung bestätigten Rahmen-Konzept Mathildenhöhe sind die denkmalpflegerischen Anforderung an die Außenform des geplanten Gebäudes nur sehr knapp, für einen Fachmann dennoch klar beschrieben:

 

 
Die Erinnerung an das Haus Christiansen würde durch einen Neubau am gleichen Standort beschädigt
Geschrieben von: S. Thiele   
Mittwoch, den 08. Dezember 2010 um 11:28 Uhr

Es wird heute leicht unterschätzt, welch enormen Beitrag neben dem Großherzog Ernst-Ludwig, die einzelnen Künstler auch zur Finanzierung der Ausstellung von 1901 geleistet haben, in dem sie nicht nur die Grundstücke und Häuser, sonder auch eine komplett neue Innenausstattung auf eigene Kosten geschaffen haben. Hans Christiansen hat daran mit dem Haus in Rosen und seinem reichen Interieur einen erheblichen Anteil, den er kaum ohne die Hilfe seiner Frau Claire (geborene Guggenheim) hätte aufbringen können. Er ist also nicht nur als Künstler sondern zusammen mit seiner Frau neben dem Großherzog Ernst-Ludwig auch als Mäzen der damaligen Ausstellung zu betrachten.

 

Würde heute ein Neubau mit einem neuen Namen an der selben Stelle errichtet, so würden dabei nicht nur die noch verbliebenen Grundmauern vollständig entfernt, es würde auch die Erinnerung an das Haus Christiansen und seine Zerstörung im zweiten Weltkrieg überdeckt. Die Lücke, welche nach dem Krieg durch den Abriss des Hauses Christiansen entstand und an deren Stelle heute der Ernst-Ludwig-Brunnen steht, ist vielen Darmstädtern ein Mahnmal für die wechselvolle Geschichte dieses Ortes. Dies alles macht den Erinnerungswert des Grundstücks aus und trägt zur Bedeutung der noch erhaltenen Fundamente als Bodendenkmal bei. Herr Benze vom Verein Freunde der Mathildenhöhe bemerkt dazu:

 
Die Symmetrie von 1901 war nicht auf Nachhaltigkeit geplant
Geschrieben von: S. Thiele   
Mittwoch, den 08. Dezember 2010 um 11:19 Uhr

 

Ein wesentlicher Bestandteil des ursprünglichen Symmetrieentwurfs von Prof. Olbrich war das Haus für Flächenkunst, welches als Pendant zum Ernst-Ludwig-Haus das untere (südliche) Ende der Symmetrie-Achse markierte. Wenn man beim Begriff Achse an die technische Entsprechung bei einem Wagen denkt, kann man sich diese beiden Gebäude gewissermaßen als die Räder an den Enden der Achse vorstellen.

 
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