Sander-Museum: Die Verhandlung war Geheimsache
Bekannt sind die Pläne freilich seit knapp einem Jahr, und sie wurden von den meisten politischen Parteien unterstützt
Als Walter Hoffmann vor weniger als einem Jahr die Neubaupläne auf der Mathildenhöhe bekanntgab, freute er sich sehr. Zum einen natürlich über das Geschenk des Stifterpaares Gisa und Hans-Joachim Sander, die einen bedeutenden Teil ihrer Kunstsammlung öffentlich machen wollen.
Besonders stolz war der Oberbürgermeister und Kulturdezernent aber auch darauf, dass die Verhandlungen über diese Pläne der Öffentlichkeit so lange verborgen geblieben waren. Für ihn war es ein Coup, der mit der Begleitung kritischer Nachfragen sicher nicht leichter gelungen wäre. Es mag sein, dass eine breite öffentliche Diskussion im Vorfeld das Projekt zumindest verzögert hätte.
Doch das Diskutieren lässt sich der Bürger ja nicht verbieten. Deshalb setzen die Debatten nun zu einem Zeitpunkt ein, an dem die Entscheidungen längst gefallen sind. Das in dieser Woche vorgestellte Ergebnis des Architekturwettbewerbs für das neue Museum, das zwischen Alexandraweg und Russischer Kapelle am Standort des ehemaligen Hauses Christiansen entstehen soll, macht die damit einhergehende Veränderung der Mathildenhöhe erstmals anschaulich.
Bekannt sind die Pläne freilich seit knapp einem Jahr, und sie wurden von den meisten politischen Parteien unterstützt. Zur Bekanntgabe des Beschlusses im Juli 2009 hatten die Stadtparlamentsfraktionen von SPD, FDP, CDU und Grünen eine gemeinsame Erklärung formuliert, die den Dank für das Geschenk der Familie Sander zum Ausdruck brachte. Zwei Tage zuvor hatte der Magistrat über die Vergabe der Fläche im Erbbaurecht zum Zweck eines Museumsneubaus entschieden. Einige Wochen später wurde die Vorlage erst im Liegenschafts-, dann im Haupt- und Finanzausschuss behandelt, bevor die Stadtverordnetenversammlung am 3. September 2009 zustimmte.
Zu den Plänen gab es vereinzelte Stellungnahmen - der Denkmalbeirat lobte die Idee, insbesondere die Vorgaben, nach denen sich das neue Gebäude in das vorhandene Ensemble einfügen solle. Bernd Krimmel hingegen, der frühere Direktor des Instituts Mathildenhöhe, äußerte heftige Kritik und sprach sich für einen Museumsbau am Osthang der Mathildenhöhe aus, so wie es der heutige Direktor des Instituts Mathildenhöhe Ralf Beil in seinem Gastbeitrag auf dieser Seite ebenfalls empfiehlt. Das Ergebnis des Architekturwettbewerbs ließ weitere Gegner eines Museumsbaus auf den Plan treten, in der Internet-Gemeinschaft ,,Facebook" hat sich eine Gruppe mit dem Titel ,,Kein Museum Sander auf der Mathildenhöhe!" gegründet, zu der bereits mehr als 700 Mitglieder gehören.
Die Familie Sander hatte auf der Mathildenhöhe bis 2003 bereits eine Galerie betrieben. Das Sammlerpaar hat eine umfangreiche Kollektion zusammengetragen. Das Depot umfasst etwa 2200 Werke, 250 davon im Wert von zehn bis 15 Millionen Euro sind Teil der Stiftung, die das Museum bauen und betreiben wird. Im neuen Museum Sander sollen vor allem Arbeiten der vergangenen drei Jahrhunderte gezeigt werden von Künstlern, die in Darmstadt gelebt und gearbeitet haben. Das Grundstück ist derzeit eine Rasenfläche, am Fuß zum Alexandraweg hin steht das Sandstein-Halbrund eines Reliefbrunnens, den Karl Hartung für die Weltausstellung 1958 in Brüssel geschaffen hatte. Dieser Brunnen soll restauriert und an anderer Stelle wieder errichtet werden. Quelle
echo-online
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